Die Rürup-Rente basiert auf der Grundidee, den Aufbau einer Altersvorsorge durch steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten zu fördern. Grundsätzlich steht diese Form der Altersvorsorge, die offiziell Basisrente heißt, jedem offen. Aber die primäre Zielgruppe der Rürup-Rente sind Selbstständige und Freiberufler. Arbeitnehmern stehen zahlreiche weitere Alternativen der staatlich geförderten Altersvorsorge zur Verfügung, beispielsweise die Direktversicherung oder die Riester-Rente. Daher lohnt sich die Rürup Rente für diesen Personenkreis meist nicht in der Praxis.

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Die Rürup-Rente nutzt die nachgelagerte Besteuerung

Im Kern funktioniert die Rürup-Rente sehr einfach: Ein gesetzlich vorgeschriebener Anteil der Beiträge brauchen Sie nicht versteuern. Im Gegenzug muss ein entsprechender Anteil der späteren Rentenzahlung versteuert werden. Dieses Prinzip wird als nachgelagerte Besteuerung bezeichnet. Im Normalfall ist diese Art der Besteuerung sehr vorteilhaft und die Rendite sehr hoch, weil das Einkommen während der Ansparphase deutlich höher ist als während des späteren Rentenbezugs. Wer gut verdient und mit seinen oberen Einkommensanteilen in der Nähe des Spitzensteuersatzes liegt, spart während der Ansparphase rund 40 Prozent des absetzbaren Betrags an Steuern ein. Wie hoch die effektive Steuerbelastung während des Rentenbezugs ist, hängt von den genauen Umständen ab. Wer beispielsweise monatlich 1500 Euro Rürup-Rente bezieht und keine weiteren einkommenssteuerpflichtigen Einnahmen hat, wird aufgrund der Freibeträge nur sehr geringe oder überhaupt keine Steuern zahlen müssen.

Die steuerlichen Regelungen im Detail

Maximal können jährlich 20.000 Euro an Einzahlungen in die Rürup-Rente staatlich gefördert werden, für Ehepaare liegt die Höchstgrenze bei 40.000 Euro. Der von der Steuer absetzbare Anteil steigt von Jahr zu Jahr in Schritten von zwei Prozent. Im Jahr 2014 können 78 Prozent der Einzahlung steuerlich geltend gemacht werden, im Jahr 2015 sind es bereits 80 Prozent. Ab dem Jahr 2025 kann der gesamte Betrag abgesetzt werden. Je mehr während der Ansparphase steuerlich abgesetzt werden kann, desto mehr muss aber während der Auszahlungsphase aufgrund des Prinzips der nachgelagerten Besteuerung versteuert werden. Der zu versteuernde Anteil der Rürup-Rente hängt von Jahr des Rentenbeginns ab. Bei einem Rentenbeginn im Jahr 2014 beträgt der zu versteuernde Anteil 68 Prozent. Bis zum Jahr 2020 wächst dieser Anteil in jährlichen Schritten von zwei Prozent, bei einem Rentenbeginn 2020 sind also 80 Prozent der Rürup-Rente steuerpflichtig. Danach steigt der Anteil nur noch um ein Prozent pro Jahr, im Jahr 2040 werden also 100 Prozent erreicht. Achtung: Zwar wird im Jahr des Rentenbeginns der steuerpflichtige Anteil für die gesamte Bezugsdauer festgeschrieben, dieser gilt jedoch nicht für Rentenerhöhungen in den Folgejahren. Diese unterliegen vollständig der Einkommensteuerpflicht. Man könnte es also auch so formulieren: Wer beispielsweise im Jahr 2020 mit dem dann geltenden steuerpflichtigen Anteil von 80 Prozent in Rente geht, behält lebenslang einen Freibetrag in Höhe von 20 Prozent der Rentenhöhe des Jahres 2020.

Bedingungen für die staatliche Förderung

Voraussetzung für die staatliche Förderung ist zunächst, dass die Einzahlungsgrenzen von jährlich 20.000 Euro für Singles und 40.000 Euro für Ehepaare eingehalten werden. Darüber hinaus darf eine Rürup Rente tatsächlich nur als monatliche Rente ausgezahlt werden, eine einmalige Auszahlung wie bei manchen Lebensversicherungen ist nicht möglich. Ein weiterer Unterschied zu nicht geförderten Lebensversicherungen besteht darin, dass die Ansprüche aus einer Rürup-Rente nicht verkauft, verpfändet oder beliehen werden können. Darüber hinaus darf die Rentenzahlung nicht vor Vollendung des 62. Lebensjahres beginnen. (Für ältere Verträge war das 60. Lebensjahr die Untergrenze.) Die empfindlichste Einschränkung ist wohl die, dass die Ansprüche nicht vererbbar sind. An dieser Stelle ist ein Hinweis angebracht: In der Vergangenheit wurden die steuerlichen Vorteile in Einzelfällen schon rückwirkend widerrufen, weil einzelne Verträge diese strengen Bedingungen nicht erfüllten. Deswegen sollte darauf geachtet werden, dass der Anbieter über das staatliche Rürup-Zertifikat verfügt. Damit wir bestätigt, dass die Voraussetzungen für eine Förderung tatsächlich erfüllt sind. Ein zweiter Hinweis zu diesem Thema: Das Rürup-Zertifikat bestätigt tatsächlich ausschließlich, dass das angebotene Produkt gefördert wird. Es ist jedoch kein Qualitätssiegel oder gar eine „staatliche Empfehlung“ für einen Anbieter, wenngleich die Werbung gelegentlich anderes zu suggerieren versucht.

Vor- und Nachteile der Rürup-Rente

Die Rürup-Rente stellt in gewissem Sinne einen Versuch dar, Freiberuflern und Selbständigen eine vergleichbare Sicherheit zu bieten, wie das die gesetzliche Rentenversicherung für Arbeitnehmer tut. Daraus ergeben sich einige Vorteile und Nachteile, die denen der gesetzlichen Rentenversicherung ähnlich sind. Zu den Vorteilen gehört, dass die erworbenen Ansprüche vor Zugriffen geschützt sind. Sie können nicht gepfändet werden und werden auch dann nicht als Vermögen angerechnet, wenn der Anspruchsberechtigte Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) beantragen muss. Vorteilhaft ist auch, dass die monatliche Ansparsumme der Einkommensentwicklung angepasst werden kann. Zumindest schließen die Bedingungen für eine staatliche Förderung das nicht aus. Ob der konkrete Anbieter diese Möglichkeit vorsieht, muss im Einzelfall geprüft werden. Viele Sparer nutzen auch die Steuervorteile positiv für sich. Der wichtigste Nachteil dürfte in den Augen vieler sein, dass das angesparte Vermögen nicht vererbbar ist. Verstirbt der Kunde vor dem Erreichen des Rentenalters, verfallen die eingezahlten Beträge. Nachteilig ist ebenfalls in einigen Situationen, dass ein Rückkauf nach dem Vorbild der Lebensversicherungen nicht möglich ist. (Ob man dies generell als Nachteil werten möchte, ist allerdings eher Geschmackssache. Denn genau diese Eigenschaft der Rürup-Rente führt dazu, dass sie nicht gepfändet werden kann und auch im Hartz IV-Bezug nicht aufgebraucht werden muss. Dass man selbst jederzeit auf die Beträge zugreifen kann, der Gerichtsvollzieher aber nie, wäre für den Betroffenen sicher angenehm – aber den Gläubigern kaum zu vermitteln.) Problematisch ist ebenfalls, dass ein Anbieterwechsel praktisch kaum möglich ist. In den Verträgen der einzelnen Anbieter verbergen sich gelegentlich weitere Nachteile. Bisweilen werden zum Beispiel für zusätzliche Einzahlungen gesondert Gebühren erhoben. Das ist ärgerlich, weil solche außerplanmäßigen Einzahlungen gut geeignet sind, um bei einem kurzfristigen Einkommensplus die steuerlichen Vorteile optimal zu nutzen.

Was ist sonst noch zu beachten?

Es gibt zahlreiche vertragliche Konstrukte, die eine Rürup-Rente mit einer Berufsunfähigkeitsrente oder einer Versorgung für Hinterbliebene im Todesfall kombinieren. Die Anbieter reagieren damit auf die Vorbehalte vieler Kunden gegen die Nicht-Vererbbarkeit und gegen den starren Auszahlungsbeginn der Rürup-Rente. In Wahrheit verbergen sich dahinter mehrere separate Verträge, weil die oben beschriebenen strengen Voraussetzungen für eine staatliche Förderung solchen Regelungen innerhalb eines Rürup-Vertrags enge Grenzen setzen. Wenn es sich um echte Kombi-Verträge handelt, in denen mehrere Versicherungen miteinander kombiniert werden, ist das unkritisch – natürlich darf man mit dem Anbieter der Rürup-Rente auch noch weitere Verträge abschließen. Wenn aber Hilfskonstrukte erdacht werden, um die Beschränkungen der Rürup-Rente zu umgehen und sie letztlich beispielsweise doch vererbbar zu machen, droht auch rückwirkend ein Entzug der staatlichen Förderung. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Leistungen für Hinterbliebene oder die Leistungen im Fall einer Berufsunfähigkeit unverhältnismäßig hoch sind und aus versicherungsmathematischen Gründen offensichtlich ist, dass in Wahrheit die Beiträge zur Rürup-Rente zweckentfremdet ausgezahlt werden sollen. Es ist kaum möglich, hier einen auf alle denkbaren Konstruktionen anwendbaren Ratschlag zu geben. Letztlich hilft bei derartigen Kombinationen der Rürup-Rente mit anderen Versicherungsleistungen nur, sich vom Anbieter schriftlich bestätigen zu lassen, dass er für finanzielle Einbußen haftet, falls das Konstrukt rückwirkend als nicht förderfähig eingestuft wird.